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Muttersprachlicher Unterricht ein Zukunftsmodell

Auch wenn der Begriff der „Doppelten Halbsprachigkeit“ vielen nicht bekannt ist, ist uns allen das Phänomen vertraut: Viiele Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund beherrschen sowohl die Sprache ihrer Herkunftsfamilie als auch die deutsche Sprache nur lücken- und fehlerhaft. Lange Zeit wurde den entsprechenden Herkunftsfamilien empfohlen, sie mögen doch mit ihren Kindern zuhause deutsch sprechen, und noch vor kurzem wollte der CSU-Generalsekretär ihnen das sogar vorschreiben. Objektiv ist eine solche Forderung schlicht be-Scheuer-t. Sie ist nämlich sprachwissenschaftlich und hirnorganisch der größtmögliche Unsinn und in der Wirkung absolut schädlich. 

So wurde zum Beispiel festgestellt, dass Kinder, die erst im Alter von zehn Jahren nach Deutschland eingewandert sind, die deutsche Sprache in der Regel sehr viel schneller lernen und schulisch erfolgreicher sind als viele hier geborene Kinder. Die Linguisten haben dafür eine plausible Erklärung: Jedes Kind kommt demnach mit einem Talent zum Spracherwerb auf die Welt. Es bringt eine so genannten Urgrammatik mit, die dann durch Lernen und Erfahrung in einer vielfältigen Umgebung zu einer vollständigen Sprachkompetenz heranreift. Wenn ein Kind eine Sprache grundsätzlich beherrscht, kann es auch weitere Sprachen sehr viel leichter erlernen. Wenn es eine entsprechend vielfältige und fördernde Umgebung hat, entwickelt sich auch Mehrsprachigkeit auf hohem Niveau. Wo die Umgebung eines Kindes aber keinen vollständigen Spracherfahrungsraum bietet, wird keine Sprache richtig gelernt.  Muttersprachlicher Unterricht kann dazu beitragen, dass Lücken in der Urgrammatik eines Kindes geschlossen werden und somit in der Folge auch das Erlernen der deutschen Sprache erleichtert wird. Deshalb ist muttersprachlicher Unterricht auf jeden Fall besser als kein muttersprachlicher Unterricht. Nicht nur, weil Mehrsprachigkeit ein Vorteil ist. Sondern weil muttersprachlicher Unterricht oft eine Voraussetzung dafür ist, dass überhaupt eine Sprachkompetenz entwickelt werden kann. 

Perspektivisch ist allerdings das gegenwärtige Modell des muttersprachlichen Unterrichts, das so genannte Konsulatsmodell, keine gute Lösung: Es basiert auf der noch in den 70er Jahren herschenden Vorstellung, dass es darum gehen müsse, die Rückkehrbereitschaft und Rückkehrkompetenz von Menschen mit Migrationshintergrund zu erhalten. Das ist völlig überholt: Aus Ausländer/innen sind längst Einwander/innen, also Inländer/innen, geworden. Der grün-rote Koalitionsvertrag liegt deshalb völlig richtig: Es kann auf Dauer nicht die Aufgabe ausländischer Konsulate sein, allein über die Inhalte und die Gestaltung des muttersprachlichen Unterrichts zu bestimmen. Ein Verzicht auf eine baden-württembergische Schulaufsicht ist hier auf Dauer ebenso wenig hinnehmbar wie etwa beim muslimischen Religionsunterricht. Andererseits: Wenn wir den muttersprachlichen Unterricht umstellen, wird das Geld kosten, das nur dann gut angelegt ist, wenn wir es richtig machen – auf der Grundlage eines gesellschaftspolitischen Verständigungsprozesses, für den die grün-rote Landesregierung mit ihrem interkulturellen Dialog, mit der Politik des Gehörtwerdens, mit ihrer aktiven Integrations- und Inklusionspolitik und mit einer Vervielfachung der Mittel für die Sprachförderung wichtige Grundlagen legt.  Die Umstellung erfordert einen längeren Atem, weil wichtige Eckpunkte zu beachten sind: Nachhaltig sinnvoll wird muttersprachlicher Unterricht erst, wenn die dort tätigen Lehrkräfte nicht nur eine Herkunftskultur vermitteln, sondern wenn sie auch unser Land kennen und in der Lage sind, interkulturelle Verständigung zu ermöglichen und Kindern und 4 Jugendlichen dabei helfen, ihren eigenen Weg in dieser Gesellschaft zu finden. Von Konsulaten aus den Herkunftsländern importierte Lehrkräfte sind darauf nicht vorbereitet. Wir brauchen deshalb qualifizierte, mehrsprachige  Lehrkräfte mit interkultureller Kompetenz, die bei uns ausgebildet werden.  Und nicht zuletzt: Muttersprachliche Sprachförderung muss künftig alltagsintegriert bereits in der frühkindlichen Bildung stattfinden – dann entfaltet sie ihre Wirkung am besten. 

Ausbau der Gemeinschaftsschule schreitet voran

Positives Signal für den Antrag der Werdenbergschule und der Maria-Sibylla-Merian- Realschule

Der Landtagsabgeordnete Thomas Poreski (Grüne) hat aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass die Anträge der Werdenbergschule (Grund- und Werkrealschule, Trochtelfingen) und der Maria-Sibylla-Merian-Realschule (Schulzentrum Steinlach-Wiesaz) genehmigt wurden, sich zu Gemeinschaftsschulen weiterzuentwickeln. Kultusminister Andreas Stoch, MdL wird am kommenden Montag, 02.02.15, die Namen der neu genehmigten Gemeinschaftsschulen der 4. Tranche öffentlich bekanntgegeben.

Poreski freut sich über diese Erfolgsaussichten und gratuliert allen Beteiligten, vor allem den engagierten Lehrkräften, den Eltern und ihren Kindern.

“Für mich sind beide Gemeinschaftsschulen Schulen mit Zukunft. Unsere Kinder werden davon profitieren. Sie können in einer leistungsstarken und sozial gerechten Schule länger gemeinsam lernen. Das von den Schulen vorgelegte pädagogische Konzept garantiert, dass alle Schülerinnen und Schüler entsprechend ihres Leistungsniveaus individuell gefördert werden können“, so Poreski. 

Neue Ganztagsangebote an Schulen in den Wahlkreisen Reutlingen und Hechingen Münsingen

An drei Grundschulen und zwei Förderschulen wird es ab dem kommenden Schuljahr ein Ganztagsangebot geben. Nils Schmid Finanz- und Wirtschaftsminister (SPD) und Thomas Poreski, sozialpolitischer Sprecher der Grünen Fraktion im Landtag kommentieren dies folgendermaßen "Kommunen und Schulen können flexibel auf den Bedarf vor Ort reagieren. Die Konzepte sind familienfreundlich und versprechen bessere Lernerfolge." Zahlreiche Schulen in den Wahlkreisen Reutlingen und Hechingen-Münsingen stellen ihren Unterricht auf das neue Ganztageskonzept um. Ab dem kommenden Schuljahr 2014/2015 besteht nun auch an folgenden Schulen ein attraktives Ganztagsschulangebot: Gutenberschule, Römerschanzschule, Bodelschwinghschule, jeweils in Reutlingen, sowie der Kirschenfeldschule in Nehren und der Hohensteinschule in Hohenstein.

"Der Ganztagesbetrieb verspricht wesentliche Vorteile: Durch das erweiterte Schulangebot stärken wir den Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler und leisten zugleich einen wichtigen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf in unserer Region erklären die Abgeordneten Schmid und Poreski.

Das Kultusministerium hat die Anträge positiv geprüft, so dass der Ganztagsbetrieb im September starten kann. Genehmigungsgrundlage ist die vergangene Woche vom Landtag beschlossene Änderung des Schulgesetzes. Diese ermögliche die flächendeckendende Einführung von Ganztagsangeboten an Grundschulen. "Dabei haben wir darauf geachtet, dass Kommunen und Schulen bei ihren Konzepten flexibel auf die Bedürfnisse vor Ort reagieren können", sagen die MdL Schmid und Poreski. Sie dürfen verschiedene Formen anbieten - verpflichtend oder freiwillig, mit sieben oder acht Zeitstunden an drei oder vier Tagen in der Woche. "Die Schulen haben dabei die Eltern und ihre Wünsche miteinbezogen und können ihnen die Lösung anbieten, die hier vor Ort am besten funktioniert. Um das zu garantieren, haben wir im Gesetz daher die Rolle der Schulkonferenz und damit die Mitbestimmungsrechte der Eltern gestärkt", so Schmid und Poreski.

Die Abgeordneten betonen darüber hinaus, dass die Ganztagsschule mehr ist als Betreuung. Sie erlaube neue Gestaltungsmöglichkeiten des Lernprozesses. Über den Tag verteilt können sich traditioneller Unterricht, individuelle Vertiefungsphasen und Übungszeit, musische Angebote oder Sport abwechseln. Hausaufgaben werden in der Schule mit Hilfe der Lehrkräfte erledigt. Diese so genannte Rhythmisierung verspricht nach Ansicht von Bildungsforschern den größten Lernerfolg. "Das System bietet außerdem die große Chance, Kinder an die Vereinswelt und das kulturelle Leben heranzuführen. Das stärkt das Gemeinwesen insgesamt", sagen Schmid und Poreski. Die Schulen können Akteure etwa aus den Bereichen Sport, Kultur, Musik oder Jugendarbeit, in ihr Ganztagskonzept einbeziehen. Die Finanzierung der Zusammenarbeit kann aus dem Kooperationsbudget erfolgen. In den kommenden Jahren rechnet die Landesregierung mit einem weiteren Anstieg der Ganztagsschulen im Grundschulbereich. Bis zum 1. Oktober können Schulträger weitere Anträge auf Ganztagsschule beim Kultusministerium einreichen. Bis 2023 sollen landesweit rund 70 Prozent der Grundschulen ein Ganztagsangebot einrichten Auch bei den Gemeinschaftsschulen geht der Ausbau weiter. Für das Schuljahr 2015/2016 haben Städte und Gemeinden Anträge auf Einrichtung von insgesamt 76 Gemeinschaftsschulen gestellt. Im Wahlkreis Reutlingen ist die Maria-Sibylla-Merian-Realschule im Schulzentrum Steinlach-Wiesaz dabei.

Das Gymnasium der Zukunft - G8, G9 oder was?

60 Prozent der baden-württembergischen Wahlbevölkerung ist mit der Bildungspolitik des Landes unzufrieden. Ein schwacher Trost dabei: Bundesweit schwankt der Anteil der Unzufriedenen zwischen 57 und 70 Prozent. Ein Aufhänger der Debatte ist die Zukunft des Gymnasiums. Nachdem nun geklärt ist, dass das Gymnasium eine der beiden Säulen des künftigen zweigliedrigen allgemeinbildenden Schulsystems sein wird, konzentriert sich die Auseinandersetzung nun auf die künftige Ausgestaltung dieser Schulart. Ein Hintergrund ist die reichlich verkorkste Einführung des achtjährigen Gymnasiums G8, das unter Schwarz-Gelb noch unter der Federführung der Ex-Doktorin Anette Schavan betrieben wurde. Damals wurde überwiegend der 9jährige Bildungsplan auf 8 Jahre komprimiert.

Die Folge waren enormer Stress, nicht unbedingt im Sinne eines zu hohen Leistungsniveaus, sondern mit einer zeitlichen Belastung der Schüler/innen, die auch die Leistungsstarken belastet - weil ihnen Lebenszeit für andere, auch entwicklungspsychologisch wichtige Aktivitäten fehlt. Der einfache, populistisch wirksame Reflex lautet daher: Zurück zu G9. Allen voran der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Claus Schmiedel.

Dagegen sprechen aber gewichtige Argumente: Eine flächendeckende Rückkehr zu G9 würde mit Sicherheit die Entwicklung der Gemeinschaftsschule beschädigen, weil diese ebenfalls ein G9 erschließt. Verunsicherte Eltern würden sich dann im Zweifelsfall für die vermeintlich sichere Nummer des "alten" Gymnasiums entscheiden.

Übersehen wird dabei zudem, dass die Umsetzung von G8 sehr unterschiedlich gut gelungen ist und eine Reihe von Kindern damit gut zurecht kommen. G8 und G9 parallel zu führen wäre zudem extrem teuer, und viele Gymnasien würden sich zurecht dagegen wehren, wenn sie schon wieder alles auf den Kopf stellen müssten. Und es sollte nicht übersehen werden, dass auch das Retro-G9 keine bildungspolitisch heile Welt war, die einer zeitgemäßen Pädagogik besonders förderlich war.

Vor dem Hintergrund dieser Gemengelage hat die grüne Landespartei am 16.7., unter Beteiligung meines Landtagskollegen Sigi Lehmann und mir, ein Fachgespräch über die Zukunft des Gymnasiums veranstaltet.

Dabei gab es eine klare Tendenz zugunsten eines "dritten Wegs" aus unserer Region: Das "Abitur im eigenen Takt", welches das Mössinger Firstwaldgymnasium zusammen mit anderen staatlichen und freien Schulen entwickelt hat und das bereits den Deutschen Schulpreis erhalten hat. Die Grundidee: In der zehnten Klasse entscheiden die Schüler/innen, ob sie eine zwei- oder dreijährige Oberstufe anschließen wollen. Die längere Zeit kann genutzt werden, um den Lerntakt zu entschleunigen oder aber auch einen Auslandsaufenthalt zu integrieren. Die Kurse werden dabei jahrgangsübergreifend angeboten, einzelne Kurse können auch wiederholt werden. Damit können einige Probleme in der Debatte gelöst werden:

Die Gemeinschaftsschule wird nicht kanibalisiert. Der Übergang wird erleichtert, der Weg über die Gemeinschaftsschule zum Abitur dauert immer länger als der "direkte" Weg über das Gymnasium. Das Kurssystem mit eigenen Gewichtungen erleichtert den Übergang ins Studium.

Wir brauchen nicht die ressourcenaufwendige Parallelführung zweier Systeme G8 und G9. Und: Wer das beschleunigte G8 möchte, kann dies innerhalb des Abiturs im eigenen Takt umstandslos wählen. Das Abitur im eigenen Takt ist vergleichsweise ressourcenschonend.

Die Einführung muss nicht von der 5. Klasse "aufwachsen", sondern kann auch für heutige Mittelstufenschüler greifen.

Ein wesentlicher Kritikpunkt bleibt, wenn das Abitur im eigenen Takt isoliert eingeführt wird: Besondere Belastungen haben Schüler/innen im Gymnasium in der Unter- und Mittelstufe. Deshalb gehört zum Abitur im eigenen Takt auch eine Entlastung in dieser Altersstufe - durch angepasste pädagogische Konzepte, Korrekturen im Rahmen der derzeit entwickelten Bildungsplanreform und eine Reduzierung der zeitlichen Belastung. Weil dieser Kontext mitgedacht wird, befürworten auch der Landeselternbeirat und die grüne Landtagsfraktion in Bayern einmütig das Abitur im eigenen Takt - also ausdrücklich weder das existierende G8 noch das Retro-G9. Dies ist auch meine Position, aber bisher weder Position der Gesamtpartei - allerdings sehr wohl unserer Landesvorsitzenden Thekla Walker - noch der Landtagsfraktion. Aber immerhin: Es bewegt sich was, das Rennen ist offen, und ich freue mich über jede Unterstützung.

Die Gemeinschaftsschule - gemeinsam zum Ziel

Jedes Kind braucht und verdient unsere Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Unterstützung. Deshalb sind die Anforderungen an unser Bildungssystem hoch. Es soll nicht nur gewährleisten, dass Kinder lesen und schreiben lernen, es muss mehr können. Ein gutes Bildungssystem legen den Grundstein für das spätere berufliche, gesellschaftliche und soziale Leben. Es schafft die Grundlage für eine moderne, vielfältige und offene Gesellschaft. Es weckt die Neugierde in Kindern und ermöglicht ihnen ein selbstbestimmtes Leben.

Dafür braucht ein Bildungssystem gute Schulen. Schulen, die dafür sorgen, dass alle Kinder die gleichen Chancen haben. Schulen, die es den Kindern ermöglichen, voneinander und miteinander zu lernen. Schulen, die Stärken fördern und Schwächen nicht gegen die Kinder wenden und Druck aufbauen. Schulen, die jedem Kind und seinen individuellen Bedürfnissen gerecht werden und unter einem Dach mehrere Bildungsabschlüsse anbieten.

All dies sind Merkmale einer guten Schule, die den Anforderungen der heutigen Zeit entspricht und die Kinder in den Fokus nimmt. Nicht Überlastung, Prüfungsangst und Notendruck sollen die schulische Laufbahn prägen, sondern positive Aspekte, die die Motivation fördern, die die Lust am Lernen wecken und leistungsstarke Schülerinnen und Schüler zur Folge haben.

Unsere Antwort auf die Anforderungen an ein gutes Bildungssystem ist eine Schule der Vielfalt, ein Lern- und Lebensort. Eine Schule, die sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert und in der Individualität und Gemeinschaft keine Gegensätze, sondern Teile eines Ganzen sind. Unsere Antwort ist - die Gemeinschaftsschule.

Die Broschüre zur Gemeinschaftsschule finden Sie hier.

Kultusministerium muss gute Hausaufgabenbetreuung an Gymnasien sichern

Daniel Lede Abal und Thomas Poreski fordern Rücknahme der Kürzungen bei der Hausaufgabenbetreuung an Gymnasien

 

Die beiden Landtagsabgeordneten der Grünen Daniel Lede Abal (Tübingen) und Thomas Poreski (Reutlingen) fordern, die geplanten Kürzungen bei der Hausaufgabenbetreuung an Gymnasien zurückzunehmen. „Das Vorgehen der Kultusverwaltung in den letzten Wochen war unglücklich“ stellt Thomas Poreski, der Mitglied im Bildungsausschuss ist, klar. „Wir haben beim Kultusministerium klar gemacht, dass Einschnitte in der Hausaufgabenbetreuung für uns nicht hinnehmbar sind. Jetzt brauchen wir ein verlässliches Signal an Schulen, Schüler und Eltern", so Poreski weiter. Auch sein Kollege Daniel Lede Abal fordert Änderungen: „Es gibt noch personelle Reserven im System. Diese muss der Kultusminister zur Rücknahme der Kürzungspläne verwenden.“ Die beiden Abgeordneten wollen sich weiterhin für die Sicherung von guter Hausaufgabenbetreuung einsetzen und sehen jetzt den Kultusminister in der Pflicht. „Andreas Stoch hat bei seinem Amtsantritt individuelles Lernen zu recht ganz nach oben auf seine Agenda gesetzt. Gerade bei der Hausaufgabenbetreuung darf daher nicht gespart werden“, so die beiden grünen Abgeordneten.

Ganztagsschulen: Friedrich-Schiller-Gymnasium in Pfullingen und Roßbergschule in Gönningen mit dabei

Grün – rote Landesregierung genehmigt 95 Ganztagsschulen zum Schuljahr 2013/2014 

 

Die Grüne Fraktion im Landtag begrüßt den Ausbau der Ganztagsschulen im Land: Zum Schuljahr 2013/2014 sind 95 weitere Ganztagsschulen genehmigt, davon 85 Neuanträge und 10 Erweiterungsanträge.

„Auch das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Pfullingen war mit seinem Neuantrag erfolgreich. Das freut mich sehr, denn die Ganztagsschule ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Bildungsgerechtigkeit“, so MdL Thomas Poreski.

Besonders der Anteil von Grundschulen mit Ganztagsbetrieb wird weiter ausgebaut: rund die Hälfte der genehmigten Anträge entfallen auf diese Schulform. Hier wurde der Neuantrag der Roßbergschule in Gönningen genehmigt.

„Dies ist wichtig, um der wachsenden Nachfrage Rechnung zu tragen. Außerdem gilt für uns weiterhin: Auf den Anfang kommt es an! Es ist konsequent, dass wir den Ausbau besonders an den Grundschulen voranbringen“, so Poreski weiter.

Heute werden die pädagogisch wertvollen Ganztagsangebote von Schulen und Eltern insgesamt sehr geschätzt: „Der Ausbau ist auch zentral für den gelingenden Umgang mit der Heterogenität der Schülerschaft. Er bietet den Schulen Möglichkeiten, Konzepte zu schaffen, die den Schülerinnen und Schülern pädagogisch gerecht werden.“, so Poreski abschließend.

Ebenso erfolgreich waren die Neuanträge der „Freibühlschule“ in Engstingen, der Brühlschule in Sonnenbühl (Grundschule), der Grund und Hauptschule Genkingen sowie der Graf-Eberhard-Schule (Realschule) in Kirchentellinsfurth.

                                               

 

Herausforderung der Inklusion als Chance begreifen

 Im Rahmen seiner Tour durch den Alb-Donau-Kreis besuchte Thomas Poreski, der Sprecher der GRÜNEN für Sozialpolitik, vergangenen Donnerstag die Schmiechtalschule in Ehingen. Der Abgeordnete für den Wahlkreis Reutlingen war vor seiner Wahl als Geschäftsführer des Jugend- und Behindertenhilfeträgers Mariaberg tätig. Bei seinem Besuch sprach er mit der Schulleitung über die Umsetzung der Inklusion in Baden-Württemberg. Die inklusive Schule sei seit April 2009 als Folge UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verpflichtend. GRÜN/rot habe sich zu einer engagierten Umsetzung bekannt und mit der Gemeinschaftsschule auch einen ausdrücklich inklusiven Schultypus geschaffen.

 

Poreski trat Gerüchten entgegen, die Landesregierung plane eine sofortige Systemumstellung. „Weder Quoten für Kinder mit und ohne Behinderung noch Schließungen von Sonderschulen sind geplant“, beruhigte Poreski. Ziel sei es stattdessen, Regelschulen und Sonderschulen zu öffnen und so für eine Angebotsvielfalt zu sorgen. GRÜN/rot wolle die Erfahrungen bisheriger Inklusions­versuche nutzen und im kommenden Jahr ein Inklusionsgesetz auf den Weg bringen, so Poreski.

 

Wichtig sei, die Inklusion als Prozess zu verstehen, da der Umbau mehr als ein Jahrzehnt benötigen werde. Aus bisherigen Sonderschulen sollen sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) werden. Dies bedeute, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf ein konkretes Angebot auf inklusive Beschulung erhielten. Die SBBZ sollen sich aber auch zu inklusiven Schulen weiterentwickeln können und Kinder ohne Behinderungen mit unterrichten.

 

Karl Wurst-Bühler, der Leiter der Schmiechtalschule, betonte, dass alle Beteiligten vor allem Planungs­sicherheit bräuchten. „Unsere Lehrer sind verunsichert. Für sie ist noch unklar an welcher Schule sie künftig arbeiten werden. Die Erwartungen von den Regelschulen und den Eltern an uns Sonderpädagogen sind sehr vielfältig. An vielen Schulen gibt es noch keine Konzepte, wie Unterricht in einer so heterogenen Schülergruppe gelingen soll. Wir benötigen Orientierung und Unterstützung und eine sehr gute Unterrichtsversorgung auf beiden Seiten. Nur so können wie die neuen Aufgaben erfolgsversprechend angehen“, fasste Wurst-Bühler seine Erwartungen an das Land zusammen.

 

Die Erwartung der GRÜNEN an die inklusive Schule sei die Entscheidungsfreiheit für betroffene Eltern. Sie sollen sich künftig für den Unterricht an einem SBBZ entscheiden können, ebenso wie für eine inklusive Beschulung. Der gesamte Umbauprozess müsse dabei im Rahmen einer regionalisierten Schulentwicklungsplanung gesteuert und wissenschaftlich begleitet werden. Nicht jedes Kind könne an jeder Schule unterrichtet werden, und nicht jeder Schul- oder SBBZ-Standort sei dauerhaft zweckmäßig.

 

„Politik und auch die Interessenverbände der Lehrerinnen und Lehrer müssen Farbe bekennen: Eine inklusive Bildungspolitik ist keine lästige Pflicht, ein Gewinn für alle. Nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern wir alle haben ein Recht auf die volle Vielfalt der menschlichen Erfahrung“, resümierte Poreski.

Die ersten Gemeinschaftsschulen im Land zeigen den Bildungsaufbruch, der mit dem Regierungswechsel begonnen hat. Angesichts einer Deckungslücke von 2,5 Milliarden Euro – also einem Defizit, das jedes Jahr den Haushalt belastet – muss der Einsatz der Mittel auch in der Bildung möglichst effizient sein. Denn auch Schuldenabbau ist eine Investition in die Zukunft: Weniger Lasten für die kommenden Generationen.

“Es wird eine Schule für alle!” Grüne diskutieren über Schulpolitik

Auf ihrer letzten Kreismitgliederversammlung vor der Sommerpause diskutierten die Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen mit dem grünen Landtagsabgeordneten Thomas Poreski. Als Mitglied im Schulausschuss des Landtages konnte er eine umfassende Übersicht über die schulpolitischen Vorhaben der grün-roten Koalition geben. Mit dem Start der Gemeinschaftsschule ab Beginn des nächsten Schuljahres werde ein Meilenstein in der Bildungspolitik gesetzt, der gemeinsam mit der Bürgerschaft gestaltet werde. Auch die Umsetzung der pädagogischen Konzepte sieht Poreski optimistisch: „Es wird eine Schule für alle! Vielfalt, zieldifferenter Unterricht und eine besondere individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler werden dafür sorgen, dass die Gemeinschaftsschule überall im Land ein großer Erfolg wird“. Auf großes Interesse stieß auch das Thema Inklusion, also die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderungen. Hier konnte der grüne Landtagsabgeordnte berichten, dass nicht nur die Gemeinschaftsschule eine inklusive Schulart werde. Inklusion solle, nach dem skandinavischen Vorbild, auch in die anderen Schulen einziehen: „Nicht jedes Kind kann in jede Schule gehen, aber alle Schulen werden inklusiv sein“. Den Unmut über den angekündigten Abbau von LehrerInnenstellen konnte Thomas Poreski beruhigen, indem er den grünen Mitgliedern verdeutlichte, dass es durch massiv sinkende SchülerInnenzahlen in den kommenden Jahren die Möglichkeit gebe ohne Qualitätsverlust Stellen abzubauen. „Maßstab wird aber immer die Qualität der Schulen und der Unterrichtsversorgung sein.  Auch bei einem Abbau der Stellen wird sich deshalb die Lehrer-Schüler-Relation weiter verbessern müssen“, erklärte Poreski. Damit dies gelingt, legt Thomas Poreski besonderen Wert auf die von Grün-Rot entwickelte Schulentwicklungsplanung: „Damit wird, gemeinsam mit Schulämtern, Regierungspräsidien und der kommunalen Ebene, ein Instrument geschaffen, das Ressourcen vernünftig steuert und sich konsequent an den Bedürfnissen in der Region ausrichtet“.

55. Schülerwettbewerb des Landtags

Schülerinnen und Schüler ab Klasse 9 sind herzlich dazu eingeladen, beim Schülerwettbewerb des Landtags zur Förderung der politischen Bildung mitzumachen.

 

Die Teilnehmer können zwischen verschiedenen Themen und Arbeitsformen auswählen. So kann beispielsweise ein Plakat gestaltet werden, das zu nachhaltigem Konsum aufruft. Darüber hinaus gibt es u.a. die Möglichkeit, eine Umfrage zum Thema „Ohne Moos nix los“ durchzuführen, eine Vorlage zu einem politischen Problem auszuwerten oder eine Facharbeit zum Thema "Was ist Heimat für mich?" zu schreiben.

 

Der Schülerwettbewerb will Jugendliche dazu anregen, sich mit politischen Fragestellungen und Problemen aktiv auseinanderzusetzen. Auch bei der 55. Auflage des Schülerwettbewerbs wird eine Vielzahl an Preisen vergeben. Neben zahlreichen Sachpreisen gibt es u.a. auch Studienfahrten nach Wien und Erfurt sowie einen Förderpreis des Landtags für herausragende Arbeiten in Höhe von bis zu 1.250 Euro zu gewinnen. Bei der Preisverteilung werden alle Schularten berücksichtigt.

 

Einsendeschluss ist der 15. November 2012. Weitere Informationen, darunter auch alle Themen des 55. Schülerwettbewerbs, sind im Internet auf der Homepage www.schuelerwettbewerb-bw.de zu finden oder bei der Landeszentrale für politische Bildung, Schülerwettbewerb des Landtags, Paulinenstraße 44-46, 70178 Stuttgart zu erfahren.

 

Bildungsideen - Initiative "Deutschland - Land der Ideen"

Die besten Bildungsideen aus  können sich jetzt bewerben (Bewerbungsleitfaden). Bereits zum zweiten Mal ruft die Initiative "Deutschland - Land der Ideen" den bundesweiten Wettbewerb "Ideen für die Bildungsrepublik" aus - gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Vodafone Stiftung Deutschland. Schirmherrin des Wettbewerbs ist Bundesbildungsministerin Annette Schavan.

Besonders für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche sind außerschulische Bildungsangebote oftmals entscheidend für die weitere Bildungskarriere. Der Wettbewerb "Ideen für die Bildungsrepublik" soll die Bereitschaft für Bildungsengagement weiter stärken und herausragendes Engagement sichtbar machen. Unter www.bildungsideen.de können sich vom 8. Februar bis zum 2. April 2012 Projekte und Initiativen bewerben, die sich nachhaltig für mehr Bildungsgerechtigkeit engagieren. Nach Ende der Bewerbungsfrist wählt eine Expertenjury die 52 besten "Bildungsideen" aus. Von September an wird Woche für Woche ein Preisträger ausgezeichnet. "Deutschland - Land der Ideen" ist die gemeinsame Standortinitiative von Bundesregierung und deutscher Wirtschaft, vertreten durch den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Ihr Ziel ist es, die Innovationskraft, Kreativität und Ideenvielfalt Deutschlands im In- und Ausland sichtbar zu machen.

"Bei der Grundschulempfehlung muss es viel stärker um das Kind als Ganzes gehen"

Die von der CDU geforderte Verschiebung des Wegfalls der Grundschulempfehlung zeigt nach Auffassung der Grünen im Landtag, wie wenig Vertrauen die CDU den Eltern und Lehrern entgegenbringt, eine gemeinsame Entscheidung über die weiterführende Schule zu finden.

"Der Wegfall der Verbindlichkeit in der Grundschulempfehlung bedeutet eine große Verantwortung, die nun schlussendlich bei den Eltern liegt. Ihnen diese Entscheidungsfähigkeit abzusprechen ist nicht nachvollziehbar", so die bildungspolitische Sprecherin der Grünen Sandra Boser. Die Beratung durch die Lehrer sei weiterhin die Entscheidungsgrundlage, auf der am Ende eine gemeinsame Entscheidung zwischen Eltern und Lehrern über die weiterführende Schule getroffen wird.

"Hier wird von Seiten der Lehrer vor allem begrüßt, dass es nicht mehr so stark von den Noten abhängt, welche Empfehlung ausgesprochen wird, sondern das es viel stärker um das Kind im Ganzen geht. Und genau das ist unser Ziel", so Boser.

Dass  durch den Wegfall  der Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung das Anmeldeverhalten Eltern stark von den Empfehlungen abweicht, diese Gefahr sieht Sandra Boser nicht. Das Anmeldeverhalten habe sich bereits in den vergangenen Jahren stark verändert und konnte durch die verbindliche Grundschulempfehlung nicht aufgehalten werden. Boser:

"Wer sich Sorgen um leerstehende Schulen auf der einen und überfüllte Schulen an anderen Schularten macht, muss sich Gedanken um die Akzeptanz des gegliederten Schulsystems machen - die Grundschulempfehlung hier als Steuerungsfunktion zu sehen zeigt, wie wenig Gedanken sich die CDU um die Anforderungen der Eltern und Schüler macht."

Gemeinschaftsschulen in Bad Urach und Walddorfhäslach vor dem Start: 

Thomas Poreski MdL Bündnis 90/Die Grünen: Individuelle Förderung und hohe Durchlässigkeit stehen hier im Mittelpunkt

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Der Startschuss für die neue Schulart Gemeinschaftsschule fällt im nächsten Schuljahr, und die GWRS Bad Urach sowie die Gustav-Werner-Schule in Walddorfhäslach werden voraussichtlich als Starterschulen dabei sein. Das ist ein großer Erfolg. Wir lösen hier ein zentrales Versprechen unserer Bildungspolitik ein, für das sich die Grünen seit vielen Jahren stark gemacht haben. Davon profitieren die Kinder in unserem Land. Ziel des grün-roten Bildungsaufbruchs ist es, individuelle Förderung in den Mittelpunkt zu stellen. Das Schulsystem in Baden-Württemberg ist bislang durch soziale Ungerechtigkeit und Sortierwahn geprägt. Die Gemeinschaftsschule ermöglicht dagegen offene Bildungswege ohne Barrieren. Gemeinschaftsschulen sind integrative und inklusive Schulen, die Kinder statt sie zu sortieren, in einer gemeinsamen Schule jeweils zu ihrem individuellen Bildungsziel führt. Gemeinsames Lernen und positiver Umgang mit Heterogenität sind hier Bestandteil eines Bildungskonzepts, in dem die Schule sich am Kind orientieren muss, statt umgekehrt. Da die SchülerInnen der Gemeinschaftsschule je nach persönlichem Leistungsvermögen nach den Bildungsstandards der Hauptschule, Realschule und des Gymnasiums unterrichtet werden, werden auch alle Abschlüsse der angebotenen Bildungsstandards ermöglicht. In der Gemeinschaftsschule ist es Ziel, Herkunft und Bildungserfolg voneinander zu entkoppeln, damit jedes Kind in Baden-Württemberg gemäß seinen Talenten und Begabungen Bildungschancen wahrnehmen kann. Jedes Kind ist an dieser Schule willkommen und wird als Teil der Gemeinschaft individuell gefördert. Das ist ein Paradigmenwechsel. Grundsätzlich können sich alle allgemeinbildenden Schulen zu Gemeinschaftsschulen entwickeln. Nach Beschluss der Schulkonferenz kann der Schulträger beim Kultusministerium die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule beantragen. Zur Entwicklung zur Gemeinschaftsschule muss ein überzeugendes pädagogisches Konzept ausgearbeitet werden, die baulichen Voraussetzungen müssen gegeben sein und die notwendige Anzahl von Schülerinnen und Schülern muss nachgewiesen werden. Die Schulen, die zum kommenden Schuljahr starten, haben sich schon seit längerem auf dem Weg gemacht und mit individuellen Lernmethoden erfolgreich gearbeitet. Für diese Schulen ist es ein Befreiungsschlag, endlich die Akzeptanz von Seiten der Politik zu bekommen, die sie verdienen. Damit beginne nun auch in Baden-Württemberg die Überwindung eines überkommenen Bildungssystems aus dem vorigen Jahrhundert. Ich freue mich sehr, dass die GWRS Bad Urach und die Gustav-Werner-Schule in Walddorfhäslach jetzt den Weg als Gemeinschaftsschule gehen können. Das ermöglicht eine Vielzahl an Bildungschancen.